Unsere Multiplikator*innenschulung MIKADOplus begleitet Projekte aus ganz Deutschland bei der Umsetzung von IT-Trainings für geflüchtete Frauen. Die MIKADOplus-Mitarbeiterinnen stellen einige dieser IT-Trainings in ihrem Reisetagebuch vor. Teil 3: Eberswalde.
Auf dem Kursplan: Maus, Desktop, Tastatur, E-Mail und Internet
Der Lernraum ist technisch gut ausgestattet: Es gibt viele Rechnerplätze und ein Whiteboard. Den Kursplan haben Christine und Paulina während der Multiplikator*innenschulung für ihr IT-Training selbst angefertigt. Jetzt ist er an einem Flipchart angeschrieben: Das Training findet an zwei Vormittagen statt. Vier Teilnehmerinnen lernen IT-Grundlagen wie die Handhabung von Maus, Desktop, Tastatur, MS Word und Speichern. Auch schwierigere Themen wie das Verschicken von E-Mails mit Anhang stehen auf dem Programm. Nachdem Paulina anhand der Internetseite des Zoos Eberswalde Webseiten-Navigation mit den Teilnehmerinnen geübt hat, fragt Christine, ob die Lernerinnen eine Pause brauchen. „Nein, wir haben keine Zeit mehr“, antwortet eine Frau. Die anderen stimmen ihr zu: Sie wollen so viel wie möglich lernen.
Individuelle Unterstützung für IT-Anfängerinnen
Alle vier Teilnehmerinnen sind aus Syrien nach Deutschland gekommen und sprechen Arabisch. Alle sprechen auch Deutsch, manche fließend, manche auf A2-Niveau. Die IT-Kenntnisse der Frauen sind ebenfalls unterschiedlich: Zwei von ihnen sind IT-Anfängerinnen, während die anderen zwei Vorkenntnisse haben. „Viele Sachen, die für uns automatisch laufen, fallen den Frauen schwer“, sagt Paulina über die zwei Anfängerinnen. Der Niveauunterschied innerhalb der Gruppe stellt für Christine und sie eine Herausforderung dar. Da auf zwei Teilnehmerinnen jeweils eine Trainerin kommt, können sie den unterschiedlichen Bedürfnissen der Lernerinnen aber durch viel individuelle Unterstützung gerecht werden.
Am Ende des zweiten Tages gibt es eine Feedbackrunde in Bildern: Die Frauen können lachende grüne Smileys an die Themen pinnen, die ihnen gefallen haben und traurige rote Smileys an die, die ihnen nicht gefallen haben. Alle greifen nur zu den grünen Smileys.
Zarghona Shalizi aus Nürnberg hob hervor, wie wichtig es ist, für alle Inhalte genügend Zeit einzuplanen. Vor jedem Unterrichtstag sollten darüber hinaus Ziele festgelegt werden. Auch eine Feedback-Runde am Ende jeden Tages ist für sie obligatorisch. So erhalten die Frauen Klarheit über Erreichtes und die Trainerin könne im Weiteren auch auf Wünsche eingehen und den Unterricht an die Bedürfnisse der Frauen anpassen. Ihrer Erfahrung nach bleiben die Frauen so über lange Zeit motiviert. Zarghona Shalizi hatte in Afghanistan Englisch studiert und für internationale Unternehmen gearbeitet, bevor sie nach ihrer Ankunft in Deutschland selbst zunächst die Sprache lernen musste. Heute arbeitet sie bei einem Verein in Nürnberg, der Auszubildende mit ausländischen Unternehmer*innen zusammenbringt. Im letzten Jahr hat sie nach der MIKADOplus-Weiterbildung selbst erfolgreich einen IT-Kurse für geflüchtete Frauen in Nürnberg organisiert und durchgeführt.